re•cap #2: Vom glorifiziertem Stress

re•cap #2: Vom glorifiziertem Stress

Eine Kolumne über Gründung, Gefühle & die Kraft, trotzdem weiterzugehen.

Neulich habe ich mich dabei erwischt, wie ich jemandem erzählt habe, wie viel ich gerade zu tun habe – und es fühlte sich fast ein bisschen gut an. So, als wäre mein voller Kalender eine Art Auszeichnung.

Und dann habe ich mich gefragt: Warum eigentlich?

Warum fühlt es sich manchmal wertvoller an, gestresst zu sein, als wirklich entspannt? Warum ist das Erste, was wir oft sagen, wenn jemand fragt, wie es uns geht: „Boah, so viel los gerade“ – statt „Ich habe mir Zeit für mich genommen“?

Ich kenne dieses Denken so gut. Jahrelang habe ich geglaubt, dass ich nur dann „genug“ bin, wenn ich produktiv bin. Dass Pausen etwas für die sind, die nicht ambitioniert genug sind. Und dass ein bisschen Erschöpfung dazugehört, wenn man wirklich etwas erreichen will.

Aber irgendwann habe ich gemerkt: Das macht mich (überraschenderweise) nicht glücklich. Und wenn ich ehrlich bin, bewundere ich inzwischen viel mehr die Menschen, die es schaffen, ihr Leben nicht nur nach To-Do-Listen zu leben – sondern nach dem, was ihnen wirklich guttut.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir Stress nicht mehr als Statussymbol sehen. Dass wir nicht mehr Menschen bewundern, die sich aufopfern – sondern die, die für sich selbst sorgen. Die „nein“ sagen können. Die Grenzen setzen. Die sich trauen, einfach mal nichts zu tun.

Ganz tief im Innern wissen wir doch: Am Ende erinnert sich niemand daran, wie viel wir abgearbeitet haben. Aber daran, wie wir uns gefühlt haben, wie wir mit anderen umgegangen sind – und wie wir unser Leben wirklich gelebt haben.

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Diese Kolumne erscheint regelmäßig und lädt Dich ein, innezuhalten – inmitten eines Alltags, der oft zu laut, zu schnell und zu viel ist. Sie erzählt von den leisen Momenten, in denen wir uns selbst wieder spüren. Von der Kraft, die entsteht, wenn wir achtsam mit uns umgehen, Entscheidungen bewusst treffen und unser Leben so gestalten, dass es wirklich zu uns passt. Es geht um Selbstwirksamkeit, nicht Selbstoptimierung. Um Echtheit statt Perfektion. Und um die leise, aber kraftvolle Frage: Wie will ich wirklich leben?

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